Jennifer Rostock U.S.
Schlaflos

Straßenbahnfahrpläne, altbekannte Landkarten
Schädel voller Schandtaten, Taschen voller Pfandmarken
Geh nach Haus, schlaf dich aus, es ist schon spät

Schrecksekunde, Sperrstunde, noch die letzte Runde schmeißen
Bis mich die Hunde beißen, altbekannte Wunden reißen auf
Geh nach Haus, schlaf dich aus, so gut es geht

Ich bin der letzte Schatten, der noch durch die Gassen irrt
In meiner Hand ein Licht, das mit der Zeit verblassen wird
Lass das Streichholz brennen, so lang es geht

Ich nehm‘ die letzte Bahn, wieder diese Strecke fahren
Zu Hause, Decke übern Kopf und an die Decke starren
Der Schlüssel steckt, ich sperr dich aus, doch es ist zu spät

Du bist so laut in meinem Kopf und alles dreht sich
Ich versuch dich zu vergessen, doch es geht nicht
Ich lieg wach und bleib ratlos
Was soll ich tun? Du machst mich schlaflos

Die Stille liegt mir in den Ohren, es zerreißt mich
Zähl die Stunden bis zum Morgen und ich weiß nicht
Was muss passieren? Ich bleib ratlos
Was soll ich tun? Du machst mich schlaflos

Mitternacht, Kopfkino, Superachtprojektion
Doch die Gedanken sind in Bild und Ton asynchron
Ein Projektor, der nur stotternd noch funktioniert

Die Tapete in den Zimmern hört nicht auf sich zu erinnern
Deine Schatten sind noch immer hier und flimmern
Wie durch unsichtbare Blende an die Wände projiziert

Der Filmstreifen hängt in immer gleichen Schleifen fest
Die Bilder springen wie ein Insekt, das sich nicht greifen lässt
Das Geschwirre macht mich irre und es hält mich wach

Wie unter Fieber werden Glieder heiß, Atem kalt
Was sich mit Widerhaken dann in meine Laken krallt
Ist die Angst vor der Nacht und was sie mit mir macht

Du bist so laut in meinem Kopf …